Ingrid Huber: „Mein Körper hat mich geführt“

Ingrid Huber ist keine Aussteigerin. Sie ist gar nie eingestiegen, ins Leben der hunderttausend Kompromisse und Zugeständnisse. Unter vielem, was sie macht, kann man sich zunächst einmal wenig vorstellen: Integrative Körperarbeit. Healing Songs. Von Herzen singen. Trainerin für Stimmentfaltung. Ein Mitsing-Konzert … 

Ingrid Huber (Foto: Danila Amodeo Photography)Musiziert hat Ingrid „schon immer“, Bewegung, das Körpergefühl waren ihr auch wichtig. Da lag es für sie, die „am liebsten schon mit sechzehn von zu Hause losgezogen“ wäre, nahe, nach dem Abitur zumindest einmal nach Wien zu gehen und dort Musik- und Bewegungspädagogik zu studieren. Eine ständig wiederkehrende Angina und diverse Allergien waren während dieser Zeit der Anstoß dafür, sich intensiv mit dem eigenen Körper auseinanderzusetzen, sich für verschiedene Formen der Energiearbeit und komplementär-medizinische Heilungsmethoden zu interessieren.

Nach Kalifornien, um eine „gute Hexe“ zu werden
„Ich gehe nach Kalifornien, weil ich eine gute Hexe werden will.“ Dieser Entschluss nach dem Studium kam für Ingrid buchstäblich „aus dem Hals heraus“, nach einer akuten Mandelentzündung. „Ich wollte das Heilen lernen und herausfinden, wie Gesundheit und Krankheit eigentlich entstehen“. Nach einem halben Jahr Vorbereitung, in dem sie als Restauratorin jobbte, um Geld für die Reise zu verdienen, machte sie sich auf, ins Land der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten. Warum USA? Wer sich für das alternative Heilen interessiert, orientiert sich üblicherweise doch eher Richtung Asien. „Ich wollte nicht zurück in die Tradition, sondern suchte eine zeitgemäße moderne Weise, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen“, erklärt Ingrid. Kalifornien schien ihr dafür ein guter Platz zu sein, und so packte sie ihr Akkordeon ein und machte sich auf nach Los Angeles, wo sie die erste Zeit bei einer hilfsbereiten und gastfreundlichen Dame unterkam, die sie ein paar Monate zuvor beim Urlaub auf Kreta kennen gelernt hatte. Nach ein paar Wochen der Suche und einem Umzug nach San Francisco stieß sie auf das  Ingrid Huber (Foto: Danila Amodeo Photography))Esalen Institut an der Küste Kaliforniens, wo sich seit den 1960er Jahren aus der Human Potential Bewegung heraus die Esalen Massage und Bodywork entwickelt hatte. „Das ist es!“ beschloss Ingrid und hatte das Glück, einen Job in der Küche des Zentrums zu finden. Als Gegenleistung durfte sie die Ausbildung machen. „Die Zeit war wundervoll, ich war erfüllt und inspiriert von den Begegnungen mit herausragenden Lehrern und Lehrerinnen für Körperarbeit, Meditation, Therapie und Spiritualität“, erzählt sie. Nach einer kurzen Rückkehr nach Wien ging sie in die USA zurück und schloss eine Ausbildung zum Practitioner of Body-Mind Centering in Massachusetts an.
In den USA hat sie sich wohlgefühlt, nach Europa keinerlei Heimweh verspürt. Die Bürokratie, die unendlichen Mühen und Schwierigkeiten, die man in Kauf nehmen muss, um eine Green Card zu erhalten, waren schließlich der Grund, doch wieder nach Wien zurückzukehren. „Ich bin bewusst als Europäerin nach Europa zurückgekehrt“, betont sie. „Ich dachte, es könnte ja meine Aufgabe sein, die Weite, die ich in den USA erlebt habe, nach Europa zu bringen. So bin ich an die Sache herangegangen und das fühlt sich heute noch stimmig an!“

Körperarbeit und Singen
Logisch wäre nach ihrer Ausbildung eine Arbeit als Musikschulpädagogin gewesen. Diesen Weg hat sie anfangs auch eingeschlagen, jedoch sehr bald entschieden, sich selbständig zu machen. Mittlerweile hat sie zwei Standbeine: Einerseits die Integrative Körperarbeit, in der sie mittels Berührungen, Gesprächen, einer aus den verschiedenen Ausbildungen und Erfahrungen in Zusammenarbeit mit einem Partner entwickelten Methode ihre Klienten zu einer „Kommunikation mit dem eigenen Körper auf sehr tiefer Ebene“ begleitet. Der Körper biete sehr viele individuelle Antworten – „wir können unglaublich viel Information aus uns selbst schöpfen“, sagt sie. Sie betreut neben Einzelkunden auch Gruppen und arbeitet zum Beispiel für Krankenhäuser, wo ihre Arbeit den oft physisch und psychisch belasteten Angestellten helfe, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und besser auf sich zu achten.

Daneben veranstaltet sie Singabende, wo es in erster Linie ums gemeinsame Erlebnis, den Akt des Singens geht: „Alle können teilhaben, man muss keine Noten lesen können und auch nicht besonders musikalisch sein“, sagt Ingrid, „die Freude am Singen lässt die Dankbarkeit fürs Leben und die Offenheit der Herzen wachsen!“ In ihren Workshops und Einzeltrainings verbindet sie ihren speziellen Zugang zur Körperarbeit mit dem Singen und Tönen und möchte damit den Teilnehmern wiederum helfen, einen Zugang zu ihrem Körper, ihrer Stimme, ihrer Gesundheit zu finden.

Neben traditionellen überlieferten Liedern aus verschiedenen Kulturen komponiert sie ihre „Healing Songs“ auch selbst. Das freie Improvisieren bestimmt ihre Art des Musikmachens – auch vor Publikum.
Wie lebt man mit mehreren, selbst kreierten Berufen? „Mein Leben ist reich, vielfältig und erfüllt!“ Was Ingrid macht, macht sie gern und ohne Kompromisse. Auf einen Kompromiss hat sie sich trotzdem eingelassen: Sie lebt – obwohl sie sich selbst als Nomadin sieht – mit ihrem Mann und ihren beiden Jungs, die 11 und 13 Jahre alt sind, schon seit 15 Jahren in Graz. Der jüngere Sohn ist übrigens dafür verantwortlich, dass die Familie ein Haus mit Garten bewohnt: „Er hat mir schon im Bauch zu verstehen gegeben, dass er die Geborgenheit, die Sesshaftigkeit braucht. Unsere Studentenwohnung, in der wir zu dieser Zeit gewohnt haben, wäre nichts für ihn gewesen.“ Ingrid genießt das schöne Wohnen und den Garten, betrachtet es aber als Geschenk auf Zeit: „Besitz ist kann vergänglich sein. Wir können uns niemals 100prozentig sicher sein, wo wir leben, was wir besitzen und wohin uns das Leben trägt. Angesichts der Flüchtlingsthematik ist mir das auch in Bezug auf mein Leben sehr stark zu Bewusstsein gekommen!“

Zum Reinhören: Paradise Now! 12 Healingsongs von Ingrid Huber.

Mehr Info zur Integrativen Körperarbeit: http://www.momente.cc

Ingrid Huber (Foto: Ingrid Huber (Foto: Danila Amodeo Photography)