Eche Wregg: Colibri oder nicht– das ist hier die Frage …

Eche_15.jpgAm Frühstückstisch der Familie Wregg gibt es selbstgemachte Marillen-, Zitronen- und Hagebuttenmarmelade, liebevoll mit selbstgedruckten Etiketten beklebt. „Ich liebe es, im Herbst durch die Wälder zu streifen und Hagebutten zu pflücken“, sagt Eche Wregg. Am Balkon wuchern die Küchenkräuter. Die Wände schmücken Eches Bilder – Kreationen in meist warmen Farben, die mich, ganz der Intention der Künstlerin folgend, in gute Stimmung versetzen. Wenn Eche Wregg erzählt, was sie macht, tut sie das mit großer Begeisterung: Malen, Marmelade einkochen, durch die Wälder und Wiesen streifen, Blockflöte unterrichten, Musizieren, Konzepte für Musikvermittlungsprogramme schreiben… Wer es schafft, sein Leben so maßgeschneidert nach seinen Talenten und Leidenschaften zu gestalten, muss ein Colibri sein. Oder nicht?

IMG_7017Als Colibris bezeichnen wir in diesem Blog ja jene, die genau das machen, und dafür manchmal einiges riskieren: Einsteigen, Aussteigen oder Umsteigen etwa, wie man es nennt, ist eine Frage der Perspektive.

Kindheit im Land der Colibris

Bei Eche ist das anders, mit den Colibris. Die kleinen bunten Brummvögel, die es nur am amerikanischen Kontinent gibt, haben sie schon in Chile fasziniert, wo sie ihre ersten neun Lebensjahre verbrachte. Den Namen – Eche – hat sie, die eigentlich Edith heißt, von ihren Kindermädchen dort. Als ihre Mutter, eine Salzburgerin, die an der Universität in Concepción Cembalo und Musikphilosophie unterrichtete, von Freunden während der ersten Jahre des Militärputschs eine entsprechende Warnung bekam, verließ sie relativ rasch das Land. Die neunjähre Eche musste mit. Die vier älteren Brüder verließen ebenfalls das Land, der Vater, ein chilenischer Dirigent und Komponist, blieb trotz der Schwierigkeiten unter Pinochet – die Familie war seither getrennt.

Aus der Leere Kraft (© Eche Wregg)
Aus der Leere Kraft (© Eche Wregg)

Musik und Malerei

Eches Talente kreisen rund um die Musik und die Malerei. Beides hat sie schon als Kind fasziniert, in beidem hat sie sich in der Schule engagiert, wie „in allem, was mich begeistert“ … ganz im Gegensatz zu Fächern wie Mathematik, wo ihr die Schulnoten ziemlich egal waren. Nach der Matura hat sie sich für Blockflöte und Jus entschieden. Das Völkerrecht hatte es ihr angetan, wohl auch aufgrund ihrer eigenen Geschichte. Relativ rasch kamen dann die Kinder – zwei Buben zuerst, dann zwei Mädchen. Für die Uni war keine Zeit mehr. Also konzentrierte sie sich auf das Zeichnen. „Zum Malen hat mich ein befreundeter Künstler gebracht, der eines Tages mit Farben und Leinwand in der Tür gestanden ist und meinte, das passe besser zu mir als zeichnen.“ Noch schüchtern fabrizierte sie ihr erstes Bild auf Leinwand – ein Geschenk für ihren Mann. Eine Freundin, die das Bild sah, lud sie ein, eine Ausstellung zu machen. Eche hatte ein Jahr Zeit, um sechzig Bilder zu produzieren. „Das war faszinierend. Aber teilweise ungesund, neben den Kindern konnte ich nur in der Nacht malen. Manchmal kam ich nur auf zwei Stunden Schlaf.“ Aber die positiven Reaktionen bestärkten sie. „Für mich ist es die größte Anerkennung, wenn jemanden eines meiner Bilder so anspricht, dass er möchte, dass es ihn in seinem Leben begleitet.“

 Neue Wege gehen

glam Rock 11.jpgDie Wege anders zu begehen, neue Perspektiven einzunehmen, neue Aspekte zu finden … all das reizt Eche. Die zentralen Elemente in ihren Bildern sind meist Menschen – „sie erzählen über das Leben“ – und Blumen – „als Symbol für Menschen“. Die Titel, die sie oft ins Bild schreibt, lassen wie die Motive selbst für die Betrachter vieles offen – „je nachdem, was man selbst an Erfahrungen und Erlebnissen mitbringt“.

Nachdem das vierte Kind aus dem Gröbsten heraus und Eche Anfang 30 war, begann sie wieder, Blockflöte zu unterrichten und engagierte sich in einigen Musikvermittlungsprogrammen. Der Zugang über mehrere Disziplinen – Kunst, Musik, Literatur – habe sie dabei fasziniert, und als die Bruckneruniversität den Masterlehrgang Musikvermittlung /Musik im Kontext angeboten hat, war Eche dabei.

DSC_1939Wenn sie über ihre Projekte erzählt, dann grundsätzlich mit ansteckender Begeisterung: Das Oboe-Fagott-Festival, das sie gemeinsam mit ihrem Mann Hannes, Fagottist im Brucknerorchester Linz, organisiert. Die Führung durch die Ausstellung Glam! Ist Musik im Kunstmuseum Lentos, Rossinimania im Rahmen der Pfingstfeststpiele 2014 in Salzburg, ein Vermittlungskonzept für das neugestaltete Brucknermuseum in Ansfelden …, wenn es darum geht, musikalisches Wissen spielerisch und interessant zu vermitteln, ist Eche mit Feuer und Flamme dabei.

Bisweilen anstrengend sei dieses selbst komponierte Freelancer Jobprofil aber schon, meint Eche. Also doch kein Colibri von Geburt an? Will sie etwa aussteigen, aus dem Colibri-Dasein, und einsteigen – ja wo hinein? Auf welche ihrer vielen Leidenschaften würde sie verzichten wollen? Auf das Malen? „Niemals!“ Auf die Musikvermittlungsprojekte: „Kommt nicht in Frage.“ Auf das Unterrichten? „… aber das mache ich so wahnsinnig gerne!“

www.eche.at

Verdichtung des Klangs – Eche Wregg

Verdichtung des Klangs (©Eche Wregg)
Verdichtung des Klangs (©Eche Wregg)

 

„Verdichtung des Klangs“ ist der Titel dieses Bildes der Linzer Künstlerin Eche Wregg: „Die Titel meiner Bilder lassen wie die Motive selbst für die Betrachter vieles offen – je nachdem, was sie selbst an Erfahrungen und Erlebnissen mitbringen.“ Mehr über Eche demnächst auf diesem Blog!