„Ich wollte keinen Chef mehr!“

Regina Pillgrab - Atelier Vogerlfrei
Regina Pillgrab – Atelier Vogerlfrei  (Foto: Renate Billensteiner)

Vogerlfrei. So nennt Regina Pillgrab ihr Atelier im Zentrum von Linz, seit drei Jahren ihre Arbeitsstätte. Dort malt sie ihre Kraftbilder, dort hält sie Malkurse ab, für Kinder und Erwachsene, und dort kann man auch Maltherapiestunden besuchen – allein, oder in einer Gruppe. „Mit Vogerlfrei verbinde ich: Frei sein wie ein Vogerl, sich von inneren Zwängen befreien, sein eigenes Vogerl annehmen und lieben lernen “, sagt Regina.

Die 42jährige gelernte Grafikerin hat vieles ausprobiert, bevor sie sich dazu entschloss, sich selbständig zu machen: 15 Jahre in vielen verschiedenen Firmen als Grafikerin, dann eine dreijährige Ausbildung in Mal- und Gestaltungstherapie in Wien, einen Lehrgang in Anlehnung an Arno Stern für Kindern und Jugendlichen an der Kunstuniversität in Linz.

„Erstaunlich, dass sich in dem System noch so viele zurechtfinden“

Kraftbild von Regina Pillgrab
Kraftbild von Regina Pillgrab

Die Arbeit im sozialen Bereich habe ihr immer gefallen: Ehrenamtlich hat sie Maltherapiestunden für Psychiatrie-Patienten an der Landesnervenklinik Wagner Jauregg gehalten: „Das war nicht immer ganz einfach, weil Menschen mit unterschiedlichen Krankheitsbildern und Problemen in einer Gruppe beisammen waren und jede Woche wechselten. Ich wusste im Vorhinein nicht, wer kommt. So war es meine Aufgabe, in relativ kurzer Zeit für die Menschen ein sinnvolles Angebot zu machen“, sagt Regina, „besonders gefreut hat es mich, wenn die Teilnehmer der Maltherapie-Stunden am Schluss gelacht haben.”

Fasziniert habe sie auch der Job bei Pro Mente, wo sie jugendlichen Burschen mit psychischen Beeinträchtigungen dabei half, den Tag sinnvoll zu gestalten. Jene Bewohner, die es schafften, sich am Arbeitsmarkt zurechtzufinden, waren tagsüber weg, jene, die es nicht schafften, bei Regina in der CopyBox, wo kleine grafische Arbeiten und Kopieraufträge oder Ähnliches übernommen wurden. Wenn sie von der Arbeit mit psychisch Kranken erzählt, dann mit tiefer Wertschätzung und Respekt. „Sie schaffen es halt nicht, sich in diesem System zurechtzufinden. Dass das so viele noch können, finde ich ohnehin erstaunlich“, sagt sie. Meist sei es ihr gelungen, eine Vertrauensbasis zu schaffen, oft haben sich ihre Schützlinge ihr gegenüber geöffnet und ihr Dinge erzählt, über die sie mit ihren Therapeuten nicht gesprochen hätten. „Das war oft anstrengend und fordernd, aber auch eine sehr schöne Aufgabe.“

„Sich wandeln und weitergehen“

Ateliereröffnung ganz offiziell -  ein Jahr nach der Gründung mit dem “Taferl-Fest”.
Ateliereröffnung ganz offiziell – ein Jahr nach der Gründung, mit dem “Taferl-Fest”.

Der lange krankheitsbedingte Ausfall eines Kollegen, die Last, die sie deshalb allein zu tragen hatte und das fehlende Verständnis seitens des Arbeitgebers, der ihre Überlastung nicht erkannte und ihre Arbeit nicht wertschätzte, haben sie schließlich dazu bewogen, zu kündigen. Damals war ihr klar: „Ich will keinen Chef mehr!“ Von dieser Entscheidung bis zum eigenen Atelier brauchte es noch einige Zeit: „Zweifel hatte ich keine, aber großen Respekt vor der Selbständigkeit“. Das Gründerprogramm des AMS und verschiedene Angebote des VfQ – Gesellschaft für Frauen und Qualifikation  – habe ihr schließlich geholfen, ihre Geschäftsidee zu schärfen und mit dem entsprechenden Selbstbewusstsein und Know how an das Projekt heranzugehen. Nach drei Jahren ist sie nun sicher, dort gelandet zu sein, wo sie hin wollte. „Es gab immer wieder Phasen des Zweifels, vor allem, wenn es finanziell eng war. Aber ich habe gelernt, mit Geduld an die Sache heranzugehen“. Vor allem die Werbung empfinde sie manchmal als anstrengend. „Am Anfang habe ich so viele Termine ausgeschrieben und war enttäuscht, wenn die Kurse nicht alle ausgebucht waren“, sagt sie. Jetzt sei sie zur Ruhe gekommen – das strahlt sie auch aus. Und: Sie ist ihr eigener Chef. Ziel erreicht? „Solange ich meine Ideen umsetzen kann und Menschen meine Arbeit für sinnvoll erachten und meine Leistung in Anspruch nehmen, bin ich zufrieden. Ein Ziel ist für mich ein Abschluss, das sehe ich hier nicht. Es ist ein immer währendes sich Wandeln und Anpassen – offen und neugierig weitergehen.“

Atelier Vogerlfrei – Raum für kreativen Ausdruck

5 Gedanken zu “„Ich wollte keinen Chef mehr!“

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